
-Der bekannte Brühler Historiker Wolfgang Drösser stellte vor einigen Jahren eine Liste mit den sehenswertesten Gebäuden in Brühl zusammen. Für ihn sind das Geburtshaus von Max Ernst, das Haus zum Schwan, das Haus zum Stern sowie die Villa Kaufmann die bedeutendsten ehemaligen Wohnhäuser unserer Stadt. Gerade die wechselhafte Geschichte der Villa Kaufmann ist dabei besonders spannend.
Seit 2016 ist die Villa komplett an Niklas Weiler vermietet. Der Inhaber der Agentur „Greyt“ zog vor zehn Jahren mit seinem Unternehmen in die Villa ein und war innovativ. Denn da er mit seinem Team die Räumlichkeiten nicht komplett auslasten konnte, entwickelte er für das Haus das Konzept des „Coworking Space“. So entstanden 38 Arbeitsplätze, die an größere und kleinere Firmen, Startups und Einzelkämpfer vermietet werden. Wer hier einzieht, setzt sich ins gemachte Nest: Um Nebenkosten, Reinigung, Empfang und Meetingräume muss sich niemand mehr kümmern, das ist alles inklusive. Man bringt seinen Laptop mit und kann
sofort arbeiten.
Doch zurück zur Geschichte der Villa Kaufmann. Um das Jahr 1860 wurde das Haus gebaut. Seine jetzige Form erhielt es aber erst 1898. Nach den Plänen des Brühler Architekten Paul Müller wurde es damals aufwendig umgebaut. Ihren Namen verdankt die Villa einem gewissen Sali P. Kaufmann, der das „architektonische Juwel“ (so Wolfgang Drösser) 1917 erwarb. Lange war sie allerdings nicht in seinem Besitz, denn schon 1925 wurde sie von der Stadt Brühl gekauft. Ihren Namen behielt sie allerdings bis heute.
Ab den 1970er Jahren beherbergte die Villa Kaufmann zahlreiche Jugendorganisationen. So nutzten u.a. Pfadfindergruppen sowie Nachwuchsorganisationen des Deutschen Roten Kreuzes, der SPD oder CDU das Haus, das auch ganz allgemein als Jugendtreff diente. Dann stand die Villa nach dem Millennium lange Zeit leer, ehe sie 2016 von einem privaten Investor erworben und komplett saniert und renoviert wurde.

„Sehenswert ist das Gebäude durch seine Formgebung: Ein Mittelrisalit sowie die Verzierung mit Gehängen und Puttenreliefs fallen besonders auf“, schreibt Wolfgang Drösser, der u.a. das Buch „Brühl: Denkmäler und mehr“ verfasst hat. Frisch heraus geputzt strahlt die denkmalgeschützte Villa heute in neuem Glanz.
Die Attraktivität des Hauses blieb auch TV-Produktionsgesellschaften nicht verborgen. Schon mehrfach diente die Villa Kaufmann als Kulisse für Tatort-Produktionen des WDR. So wurden Szenen eines Dortmunder Tatortes in der Villa gedreht. Dabei kann es auch schon mal zu kuriosen Momenten kommen. Denn nicht immer übernehmen die Filmteams das Haus „eins zu eins“. Gelegentlich nehmen sie auch kleinere Veränderungen an der Einrichtung vor. So passierte es, dass nach Abschluss der Dreharbeiten ein Mitarbeiter des Filmteams zaghaft fragte, ob denn jemand in der Villa Bescheid wüsste, wo welche Bilder an den Wänden gehangen hätten. Die Filmcrew hatte eigene Gemälde mitgebracht und dafür vorhandene abgehängt. Als sie dann mit dem Drehen fertig waren, wurden alle Bilder durcheinander gebracht. Niemand wusste mehr, welche Bilder zur Villa gehörten und welche mitgebracht worden waren.
Womit wir beim Thema Kunst wären. Das wird unter der Regie von Niklas Weiler und Tobias Buchmüller groß geschrieben. Regelmäßig finden in der Villa Kunstausstellungen statt inklusive Vernissage oder Finissage. Aktuell stellen mit Günther Wagner, Sigrid Dethloff, Heike Fischer und Ursula Kalde Mitglieder der IG Brühler Künstler noch bis zum 15. Oktober aus. Die Werke können auch während der Öffnungszeiten der Villa von externen Besuchern betrachtet werden.
Tag des offenen Denkmals
Die Villa Kaufmann kann von der breiten Öffentlichkeit auch am 14. September, dem Tag des offenen Denkmals, besichtigt werden. „Wir wünschen uns, dass die Villa als ein Ort wahrgenommen wird, an dem die Brühler zusammen kommen“, sagt Tobias Buchmüller, der Objektmanager des Hauses. „Wir möchten die Leute dazu motivieren, sich das Haus anzuschauen.“
Die Räumlichkeiten können je nach Verfügbarkeit von allen Interessierten gemietet werden. Davon haben auch schon renommierte Brühler Unternehmen wie die Stadtwerke, das Eisenwerk oder Rheingas Gebrauch gemacht, die die repräsentativen Tagungsräume für eigene Veranstaltungen genutzt haben.
In der Villa gibt es Coworking Space für 38 Arbeitsplätze mit eigenem Schreibtisch, Bürostuhl und Rollcontainer. Ein einzelner Platz ist ab 275 Euro im Monat zu haben. Im Preis inbegriffen sind die Reinigung, die Mitnutzung der Möglichkeiten des Empfangs und der Lounge. Wer keinen festen Arbeitsplatz braucht, kann die Villa auch als repräsentative Geschäftsadresse nutzen, inklusive Postannahme, schon ab 95 Euro im Monat.
Zu den aktuellen und früheren Mietern in der Villa zählen Rechtsanwälte, Finanz- und Vermögensplaner, Coaches von Führungskräften, eine Ernährungsberaterin, ein Garten- und Landschaftsbau, Uhren- und Schmuck-Anbieter und viele mehr.

„Wir sind seit acht Jahren in der Villa und haben uns damals in die besondere Atmosphäre des Gebäudes verliebt. Die Renovierung hat die Geschichte des Ortes bewahrt und zugleich moderne Arbeitsplätze geschaffen. Bis heute fühlt es sich nicht wie ein gewöhnliches Büro an, sondern eher wie ein Haus, in dem man gerne ankommt. Dieses Gefühl teilen auch die Teilnehmer unserer Seminare, die wir im großen Konferenzraum veranstalten können“, berichtet Jenny Segebrecht vom Institut Dr. Sonja Deutschmann GmbH.

Jörg Roth von Elementarbereich-Roth e.K. schätzt die Villa als „einen außergewöhnlichen Ort zum Arbeiten, weil hier professionelles Umfeld, stilvolles Ambiente und echte Wohlfühlatmosphäre perfekt zusammenkommen. Die beeindruckend restaurierten Räume bieten genau den richtigen Rahmen, um konzentriert zu arbeiten und gleichzeitig Besucher oder Geschäftspartner repräsentativ zu empfangen. Besonders angenehm sind der herzliche Service und das freundliche Miteinander im Haus – dadurch wird die Villa zu einem inspirierenden Ort, an dem Arbeiten einfach Freude macht.“

Die Ernährungswissenschaftlerin Victoria Lücke bezeichnet das Haus als „absoluten Wohlfühlort, bei dem ich immer noch jeden Tag die Freude über einen so wunderschönen Arbeitsplatz wahrnehme. Das Gebäude mit seinen hohen Decken und den weißen Hortensien vor der Tür hat einen einzigartigen Charme, der auch ausnahmslos jedem neuen Patienten direkt positiv auffällt.“

Und der Rechtsanwalt Ulrich Koch kennt die Villa noch durch seine beiden Kinder, die „als PfadfinderInnen im ramponierten Zustand der Villa quasi großgeworden sind. Umso mehr haben sie sich gefreut, dass ich der erste Mieter in der bestens renovierten Villa wurde und das kleinste Büro (mit Stuckdecke) beziehen konnte.“
Allgemein geschätzt werden die tolle Hausgemeinschaft, die kreative und gelassene Atmosphäre, der Service, die repräsentativen Besprechungsräume, die Organisation, die Kultur und Kunst sowie ganz allgemein die tolle Optik der Villa.
10-jähriges Jubiläum für Niklas Weiler
Das beinahe schon überschwängliche Lob freut natürlich Niklas Weiler, der in diesen Tagen sein 10-jähriges Jubiläum in der Villa feiert. Der 34-Jährige ist in Brühl aufgewachsen und zur Schule gegangen. Er war Schülersprecher, gründete noch während der Studienzeit sein erstes Startup und mischte fleißig in der Jungen Union, im BTV, im Wirtschaftsgremium oder bei Brühl digital mit.
Seine Marketingagentur entwickelt und vermarktet an zwei Standorten Geschäftsmodelle für Kunden. Zu seinen Kunden zählen u.a. Aldi Süd, die Deutsche Bahn, die Telekom, aber auch Brühler Kunden wie die Stadtwerke oder die Schlossgarde. „Wir haben uns bewusst für den Standort Brühl entschieden“, sagt der Vorreiter für Coworking in Brühl. Denn auch in der Villa Kaufmann lassen sich große Dinge entwickeln.
Tobias Gonscherowski