Von ihren Anfängen bis zum ZOOM Kino
(tg) Als im Dezember 1985 das damals letzte Kino in Brühl – das City-Theater am Balthasar-Neumann-Platz – seine Pforten schloss, ging nach 77 Jahren die Brühler Kinogeschichte vorerst zu Ende. Aber wie das im Leben so ist: wenn eine Tür sich schließt, geht eine andere auf. Denn in Brühl fanden sich damals sehr viele Kinoenthusiasten, die die Situation nicht hinnehmen wollte. Sie gründeten den Verein „ZOOM Brühler Kinotreff“. Der Rest ist Geschichte. Der Verein war erfolgreich, zeigte regelmäßig Filme, startete 1986 die Open Air Tradition in Brühl und eröffnete 1996 das bis heute vielfach preisgekrönte ZOOM Kino.
Im Jahr 1990 zeigte der Verein eine Ausstellung in der Rathausgalerie mit dem schönen Titel: „Ausverkauf(t) – vom Kino zum Supermarkt. Die Brühler Kinogeschichte von ihren Anfängen bis heute, 1908-1990“. Zu dieser Ausstellung erschien auch ein stattlicher 96-seitiger Katalog, der viel Beachtung fand.
So erfahren wir, dass das erste Brühler „Kinematographentheater“, kurz Kino, im Jahr 1908 seinen Betrieb aufnahm. Im Gasthof „Zur Krone“ am Markt setzte die Familie Kaumanns dampfgetriebene Vorführapparate ein, um die ersten Filme zu zeigen. In den folgenden Jahren kamen mit dem „Modernen Theater“ und dem „Apollo Theater“ weitere Kinos hinzu. Der erste Tonfilm lief 1930 im Apollo. „Nach der Machtübernahme der Nazis versuchten diese, den Film als Propagandamittel für ihre Zwecke einzusetzen“, berichtete die Stadtarchivarin und langjährige Bilderbogen-Mitarbeiterin Marlies Fey-Bursch.

Nach dem Krieg setzte in Brühl ein regelrechter Kinoboom ein. Zu den drei Kinos am Markt gesellten sich weitere in Kierberg und Pingsdorf. So wurde Brühl tatsächlich zur Kinohochburg Nummer 1 des Rheinlands. In Brühl waren die Umsätze höher als in Köln oder Düsseldorf. Denn die Besucher strömten nicht nur aus Brühl in die Kinos, sondern auch aus Köln, Euskirchen und dem Vorgebirge, da die dortigen Kinos häufig im Krieg zerstört worden waren und den Betrieb noch nicht wieder richtig gestartet hatten. So hatten nur fünf der 56 Kölner Kinos den Krieg überstanden. Mit dem Zug kamen viele Kölner in die Schlossstadt, um aktuelle Filme zu sehen. Vor allem amerikanische Produktionen standen auf dem Programm.
Die damalige Kassiererin Helen Advena erinnert sich im ZOOM-Katalog daran, dass sie manchmal mit dem Kassieren nicht hinterherkam. Das eingenommene Geld wurde in Papierkörbe geworfen. Am Ende standen sie dann „bis zum Bauchnabel im Geld“. Auch war der Andrang so groß, dass die Polizei den Verkehr regeln musste. Unendlich viele herrliche Anekdoten stammen aus der Zeit, so auch die davon, dass im bitterkalten Winter 1946/47 die Besucher aufgefordert wurden, Klütten mitzubringen, damit der riesige Kinosaal überhaupt beheizt werden konnte.

Die Erfolgsgeschichte ging dann Anfang der sechziger Jahre langsam aber sicher zu Ende. Das Kierberger „Capitol“ schloss 1958 als erstes Kino, weitere folgten. Am längsten trotzte noch das „City-Theater“ dem aufkommenden Videoboom der achtziger Jahre. Aber mit dem Götz-George-Film „Zahn um Zahn“ war 1985 auch am Balthasar-Neumann-Platz Schluss mit Kino.
Mit viel Einsatz, Geduld, Überzeugungskraft und auch Unterstützung der Stadt Brühl konnte ZOOM dann 1996 sein Kino im Untergeschoss des Brühler Rathauses eröffnen und bis heute sehr erfolgreich etablieren. Rund 2.300 Mitglieder zählt der Verein inzwischen, die beim Kinobesuch einen reduzierten Eintrittspreis bezahlen. Das Programm setzt weniger auf Blockbuster und mehr auf „besondere“ Filme.

Sein Konzept beschreibt das ZOOM Kino auf seiner Webseite (www.zoomkino.de) wie folgt: „Von Freitag bis Dienstag gibt es täglich vier, mittwochs und donnerstags je drei Kinovorstellungen. Samstag und Sonntag gibt es Kindervorstellungen. Abends zeigen wir von Donnerstag bis Dienstag aktuelle Filme. Der Mittwochabend gehört zu einer thematischen Monatsreihe und am letzten Mittwoch im Monat gibt es Kurzfilme. Bei unseren Mittwochsreihen arbeiten wir mit vielen Brühler Institutionen und Vereinen zusammen. Neben der thematischen Aufarbeitung in einem Sonderprogrammheft zur Reihe haben wir oft Fachleute zu Gast, die unseren Zuschauerinnen und Zuschauern in die jeweilige Thematik einführen. Neben dem ‚normalen‘ Betrieb gibt es immer wieder Sonderveranstaltungen, so z.B. ‚Film+Menü‘, ‚Vino und Kino‘ oder ‚Das politische Gespräch‘.“

Während des Open Air Festivals ruht der Kinobetrieb. Aber nur für ein paar Wochen. Danach wird wieder durchgestartet. Seit 30 Jahren.