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Im persönlichen Gespräch: Hans-Jörg Blondiau

„Wenn die Besucher*innen nach Hause schweben“

Im persönlichen Gespräch: Hans-Jörg Blondiau

Hans-Jörg Blondiau gehört zu den Gründungsmitgliedern von ZOOM und Miterfindern des ZOOM Open Air Kinos. Im Gespräch mit dem Brühler Bilderbogen blickt der 66-Jährige Brühler auf die Geschichte zu 40 Jahren Open Air Kino in der Schlossstadt zurück und spricht über die besonderen Momente und Herausforderungen des Filmfestivals unter freiem Himmel.

BBB: Herr Blondiau, 40 Jahre ZOOM Open Air und Sie waren von Anfang an dabei. Was ist für Sie heute anders als vor vierzig Jahren?

Hans-Jörg Blondiau: Vor 40 Jahren haben wir nur improvisiert, anfangs mit 16-mm-Filmen. Würde mir das heute jemand vorschlagen, würde ich sagen, das kann man nicht machen. Aber Jahr für Jahr wurden wir immer professioneller und mittlerweile ist vieles natürlich Standard. Aber wir sitzen jedes Jahr im Team vor und nach dem Open Air zusammen und überlegen, wo können wir noch etwas verbessern. Manchmal geht es auch nur darum, Abläufe einfacher zu machen, damit alles reibungslos klappt.

BBB: Open Air ist ja auch immer vom Wetter abhängig. Wie sehr beschäftigt Sie das Thema im Vorfeld?

Blondiau: Das ist natürlich immer ein Riesenthema und zerrt oftmals sehr an den Nerven: Wie wird das Wetter? Wenn klar ist, es wird regnen – ok, dann ist das so und man kann sich darauf einstellen. Aber am schlimmsten ist es, wenn die Wetterlage kurz vor der Veranstaltung immer noch unsicher ist. Das führte schon oft zu unendlichen Diskussionen, unterschiedliche Wetterapps wurden zu Rate gezogen, jeder hatte eine andere Meinung. Aber zum Glück kann man auch das nach so vielen Jahren inzwischen etwas entspannter angehen. Auch profitieren wir in den letzten Jahren vom Klimawandel, ob wir wollen oder nicht. Wir haben mittlerweile im August viel mehr trockene Abende als noch vor 30 Jahren. Früher war gefühlt das halbe Open Air verregnet, heute gibt es Jahre, in denen es nur einen Abend nass wird oder auch keinen einzigen.

BBB: Was waren denn rückblickend Ihre Höhepunkte in den 40 Jahren?

Blondiau: Oh, da gab‘s natürlich viele und immer noch kommen welche hinzu. Es sind Abende, an denen am Ende alles stimmte und eine ganz besondere Atmosphäre im Innenhof entstanden ist, die Besucher*innen nach Hause „schwebten“ und der Abend allen noch lange in Erinnerung war. Dazu gehörten die Filme Cinema Paradiso, Shower, Ganz oder gar nicht (obwohl hier das Wetter überhaupt nicht stimmte), Buena Vista Social Club, Die fabelhafte Welt der Amelie, Station Agent, Sideways, Der weiße Ritter, Antigone und und und …

BBB: Was ist für Sie der Höhepunkt im Festival?

Blondiau: Der spannendste Tag ist in den letzten Jahren stets der erste Tag des Vorverkaufs, an dem es ja erstmal nur für die Mitglieder Tickets gibt. Aber an dem Abend werden die meisten Karten verkauft und wir sehen direkt, auf welche Filme die Leute Lust haben. Daran können wir sofort messen, ob das, worüber wir uns in den Wochen vorher viele Gedanken gemacht haben, auch angenommen wird, oder ob wir vielleicht die falschen Entscheidungen getroffen haben. Das ist schon sehr spannend. Ansonsten ist es immer am Ende einer Vorstellung spannend. Wenn der Abspann beginnt: Wird geklatscht oder nicht? An den Abenden, an denen der Film so richtig gut ankommt, wird geklatscht, das ist aber längst nicht jeden Abend selbstverständlich. Wenn es dann Applaus für einen unbekannten Film gibt, den wir bewusst ausgesucht hatten, weil er uns gefallen hat, aber den niemand im Publikum bisher kannte, ist das noch mal eine ganz besondere Belohnung für unsere Filmauswahl.

Im persönlichen Gespräch: Hans-Jörg Blondiau

BBB: Hat sich die Programmauswahl in den letzten Jahren verändert?

Blondiau: Im Prinzip nicht wirklich, wir versuchen immer ein Spiegelbild von dem zu präsentieren, was wir auch im Kino bieten. In den ersten Jahren war es für uns von Vorteil, dass wir im Open Air 35-mm-Filme zeigen konnten, während wir in der VHS nur auf das geringere Angebot an 16-mm-Filmen zurückgreifen konnten. Beim Open Air standen uns dann alle Filme des Jahres zur Verfügung.

Als wir dann 1996 das Kino eröffneten, bestand das Open Air Programm zunächst an jedem Wochenende aus einem der Filme, die im ersten Halbjahr am besten im Kino gelaufen waren. Das waren dann auch sichere Garanten für ein volles Haus. Aber mit der Zeit wurden wir mutiger und wollten auch nicht mehr so viele Wiederholungen zeigen. Und da auch das Vertrauen der Verleiher zunahm, bekommen wir nun auch immer ganz aktuelle Filme, teilweise sogar vor dem Kinostart für unser Open Air.

BBB: Wie sieht das Programm in diesem Jahr aus?

Blondiau: In diesem Jahr haben wir aufgrund des Jubiläums ja drei Abende mehr zur Verfügung. Neben den Wiederholungen „Extrawurst“ und „Der Teufel trägt Prada 2, gibt es neue Filme wie „Oh La La“ oder „Michael“. Wir zeigen aber auch mit „On the Wave“, unseren bestbesuchten Dokumentarfilm in diesem Jahr noch einmal auf der großen Leinwand. Der Wunsch wurde von vielen Besucher*innen an uns herangetragen. Dann gibt es eine Kurzfilmnacht mit einem besonderen Programm und natürlich Überraschungen mit einem oder zwei Filmen, die noch gar nicht in den deutschen Kinos gestartet sind, von denen wir aber so überzeugt sind, dass wir sie unbedingt im Open Air zeigen wollen.

BBB: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, den Innenhof zu „überdachen“?

Blondiau: Ja, in den Anfangsjahren war das durchaus immer mal wieder ein Thema. Besonders nach total verregneten Vorstellungen wie z.B. unserer „Unterwasservorstellung“ von „Findet Nemo“, viele werden sich erinnern. Aber nachdem wir uns dazu entschlossen hatten, gar keine Schirme mehr aufzubauen, und sich zeigte, dass unser wunderbares Publikum das mitgeht, gab es das Thema nicht mehr. Wir finden, der Hof hat eine sehr eigene Atmosphäre, jedenfalls solange der Baum noch da ist. Das jetzt zuzubauen mit einer Bühne oder Schirmen, dann bleibt nichts mehr von der Atmosphäre übrig, dann wird es ein anderer Ort.

Im persönlichen Gespräch: Hans-Jörg Blondiau

BBB: Es fällt auf, dass man überhaupt keine Werbung sieht, weder auf der Leinwand noch im Hof. Hat ZOOM keine Sponsoren nötig?

Blondiau: Es gab mal in der Anfangszeit den Versuch und wir hatten Renault dafür gewonnen, die Kosten für einen Film, den wir extra aus Frankreich besorgt hatten, zu übernehmen. Das war‘s dann aber auch. Anfangs gab es niemanden, der sich um das Thema kümmern wollte, denn es ist ja auch viel Arbeit damit verbunden. Dabei hätten wir es da noch am besten gebrauchen können. Aber dank unserer vielen Mitglieder können wir darauf ganz verzichten und müssen dadurch auch keine Rücksicht nehmen bei unserer Programmplanung. Dass über dem Thekenzelt groß Kreissparkasse steht, ist nur Zufall, denn das Zelt bleibt immer nach dem Brühler Markt für uns dort stehen. Im Kino verzichten wir auch ganz auf kommerzielle Werbung, der Film steht im Vordergrund.

BBB: Was wünschen sie sich zum 40. Jubiläum?

Blondiau: Eigentlich wie immer, Hauptsache gutes Wetter und tolle Stimmung.