„Hiermit stelle ich Ihnen zur Durchführung einer Kinoveranstaltung im Freien den Schulhof des Schulzentrums Süd am 19.7.1986 in der Zeit von 20:00 Uhr bis 0:30 Uhr kostenlos zur Verfügung.“ Mit dieser Genehmigung der Stadt Brühl begann vor 40 Jahren die Ära des ZOOM Open Air Kinos in Brühl. Im gleichen Jahr im April hatte sich der Verein ZOOM Brühler Kinotreff e.V. gegründet und es war schon klar, dass man nach einer Auftaktveranstaltung am 21.6.1986 ab Herbst mit einem eigenen, regelmäßigen Programm im Filmsaal der VHS Brühl starten wollte.
Das dauerte den 15 Gründungsmitgliedern jedoch zu lange, man war voller Tatendrang und wollte endlich loslegen. Da aber noch kein Raum zur Verfügung stand, wurde schnell die Idee einer Veranstaltung im Freien geboren. Das Außengelände rund um das damals noch relativ neue Karl-Schiller-Berufskolleg (die Gesamtschule existierte noch nicht) im Süden der Stadt wurde dafür auserkoren, da die halbkreisförmig angeordneten Stufen gute Sitzgelegenheiten boten und man so weit außerhalb sicher niemanden stören würde. Die Ausstattung der ersten Open Air Kinoveranstaltung war einfach und genial: Die Leinwand bestand aus drei großen, aneinandergeschraubten und weiß gestrichenen Holzplatten, die auf einem LKW standen, es gab einen 16mm-Filmprojektor, der Ton wurde über die mitgebrachte eigene Heimstereoanlage verstärkt und das Publikum saß auf den Steinstufen. Der erste Film war schnell gefunden, denn AMERICAN GRAFFITI von George Lucas von 1973 war damals schon ein Klassiker und das Thema – die Schließung eines Autokinos – passte.

Es wurde viel improvisiert beim ZOOM Open Air 1986, denn natürlich hatte niemand aus dem Verein Erfahrung damit und man konnte auch keinen Rat von Kolleg*innen einholen, weil es zu der Zeit, mit Ausnahme von Einzelveranstaltungen hier und da, kaum Open Air Kinos in Deutschland gab. Damit kann sich ZOOM durchaus zu den Freilichtkino-Pionieren zählen, und ab da fand das Brühler Open Air Kino regelmäßig Jahr für Jahr statt und auch der Rest Deutschlands zog langsam nach.
Der Erfolg und der Zulauf der ersten Veranstaltung im Juli waren dann gleich so groß, dass man sich kurzerhand entschloss, am 5.9.1986 eine zweite Filmnacht am gleichen Ort zu veranstalten. Diesmal mit dem Kultfilm von Dennis Hopper aus dem Jahr 1969, EASY RIDER. Dieser Abend ist allen, die dabei waren, auch heute noch gut in Erinnerung, denn es passte einfach alles. Nicht nur, dass der Bauer am Nachmittag die umliegenden Felder frisch gemäht hatte, sondern der Wind kam auch aus der richtigen Richtung, so dass man als Zuschauer*in das Gefühl hatte, man säße mit Peter Fonda zusammen auf dem Bike Richtung Freiheit. Die von einer Bikergruppe vor der Leinwand platzierten schweren Maschinen machten den Gesamteindruck perfekt.
Bei dieser zweiten Veranstaltung 1986 griff auch schon die gute Werbestrategie des Vereins. Thomas Kaintoch, der auch nach 40 Jahren noch bei jedem Open Air dabei ist, gestaltete eine Fahne, die in den Wochen davor an einem Haus in der Kölnstraße für das Ereignis warb (Foto oben).
Leinwand auf LKW gebaut
Natürlich sollte es auch im darauffolgenden Jahr neben den regelmäßigen Vorstellungen in der VHS wieder eine Open Air Veranstaltung geben. Der Film sollte durch den ausgesuchten Ort noch verstärkt werden. So kam man schnell auf den bildgewaltigen experimentellen Naturfilm KOYAANISQATSI mit dem beeindruckenden Soundtrack von Philip Glass, der im Nordpark des Schlosses aufgeführt wurde. Die „Leinwand“ des Vorjahres war noch vorhanden und auch der LKW stand wieder bereit. Die Stadt Brühl hatte einen LKW voll mit Bierbänken bereitgestellt, aber es regnete nachmittags und auch 30 Minuten vor Filmbeginn ließ der Regen noch nicht nach. Man diskutierte heftig, die Veranstaltung vielleicht doch besser kurzfristig noch abzusagen. Man entschied sich dagegen, baute aber vorsichtshalber erstmal nur fünf Bänke auf. Aber dann ließ der Regen nach und es kamen immer mehr Zuschauer*innen zum Schlosspark und man holte eine Bank nach der anderen vom LKW, bis am Ende keine mehr da war.

Beim Film blieb es trocken, alle Gäste waren beeindruckt und auch der Verein war mehr als zufrieden. So machte man schon in den ersten Jahren intensive Erfahrungen, wie das Wetter eine Open Air Veranstaltung beeinflussen kann, wie es an den Nerven zerren kann, die richtigen Entscheidungen rechtzeitig zu treffen. Eine gute Vorbereitung für das Team und die Zuschauer*innen auf die späteren Jahre, in denen es noch einige legendäre verregnete Vorstellungen gab, aber dazu später mehr.
Die Idee, das Open Air Kino wieder an einem zum Film passenden Ort durchzuführen, wurde 1988 wieder aufgegriffen und führte zum Innenhof des Brühler Rathauses, der bis dato außer für den ein oder anderen Empfang nicht genutzt wurde. Man wollte Hitchcocks FENSTER ZUM HOF zeigen, dafür schien der von Fenstern umgebene Hof der perfekte Ort. Auch die Stadt war einverstanden. Warum dann am Ende Polanskis Film TANZ DER VAMPIRE gezeigt wurde, weiß heute niemand mehr, aber da der Film in einem alten Kloster spielt, passte auch hier der Innenhof des Rathauses als ehemaligem Franziskanerkloster natürlich hervorragend. Jetzt konnte man die bereits gesammelten Open Air Erfahrungen noch besser anwenden. So wurde z.B. ein noch größeres Werbebanner erstellt, das für die Veranstaltung vor dem Rathaus warb.
Überraschungseffekt mit Sarg
Auch für „Drumherum“ hatte man sich einiges einfallen lassen, um aus der Veranstaltung ein großes Event zu machen. So stand vor der Leinwand ein Sarg, aus dem kurz vor Start des Films ein Vampir aufstand, durch den von Nebelschwaden verhüllten Innenhof lief und das Publikum in die richtige Stimmung versetze. Der Vampir, Markus Ingensiep, wird seinen Auftritt sicher auch nicht vergessen haben, denn für den richtigen Überraschungseffekt musste er sich bereits vor dem Einlass in den Sarg legen und dort stundenlang fast bewegungslos ausharren. Als die Zuschauer*innen die Veranstaltung verließen, regneten zum Abschied schwarze Luftballons mit phosphoreszierenden Fledermäusen auf sie nieder.

Die Technik an dem Abend war ein 16mm-Projektor, der damals noch im Hof auf einem Podest aufgebaut wurde. Erstmals kam aber eine eigene Leinwand zum Einsatz, deren Aufbau sehr abenteuerlich war. Die Leinwand hatte man gebraucht gekauft und sich dazu Gerüststangen besorgt, die man auf dem Boden zusammenschraubte und mit der Leinwand bespannte. Dann benötigte man 12 Leute, um das Gestänge mit einem Schwung aufzurichten, was immer etwas Überwindung kostete, denn es schwebte bei der Aktion bis zu acht Metern über einem.
Kooperation mir dem Kulturamt
Als Fazit dieser ersten erfolgreichen Veranstaltung im Rathaus-Innenhof beschloss man, im nächsten Jahr möglichst am selben Ort zu bleiben, denn das hätte den Vorteil, dass man den Projektor im Gang des Rathauses aufbauen und dann doch auch gleich mehrere Veranstaltungen hintereinander anbieten könnte, ohne alles wieder auf- und abzubauen.

Dem Kulturamt der Stadt Brühl, in Person von Brigitte Müller, blieb der Erfolg der ZOOM Open Air Veranstaltungen natürlich nicht verborgen, und es wurde die Idee geboren, zu kooperieren. So kam es im Jahr 1989 zu zwei weiteren Open Air Abenden im Rathaus-Innenhof mit den Filmen CASABLANCA (siehe auch „Der falsche Laschet“, auf S. 13) und CARMEN. Zu beiden Abenden gab es ein aufwendiges Vor- und Rahmenprogramm, dessen Kosten von der Stadt übernommen wurden. Beide Abende hatten einen wahnsinnig großen Zulauf und der Innenhof war so voll, dass man sich kaum bewegen konnte. Der Thekenumsatz war sehr dürftig, denn es war einfach kein Durchkommen. Was 1989 noch ging, wäre heute aus Sicherheitsgründen undenkbar. Aber es waren alle begeistert und das Wetter spielte auch mit.
Zum ersten Mal kam ein 35mm-Projektor zum Einsatz, der extra für das Open Air angeschafft wurde. Bei der für das ZOOM Team neuen Technik stand Herbert Pelzer, der erfahrene Kinobetreiber aus Niederberg, von Anfang an als Berater und auch als Vorführer beim Open Air unterstützend zur Seite.
Im selben Jahr gab es eine weitere Open Air Veranstaltung, jedoch diesmal im Volkspark, wo man anlässlich des Jubiläums des Films WOODSTOCK in Kooperation mit der Stadt diesen Film zeigte. Dietmar Druckrey vom Kulturamt der Stadt Brühl hatte auch eine Live Band organisiert.
Eigenes Kinoplakat erstellt
Aus zwei wurden dann im Jahr 1990 drei Open Air Nächte im August mit dem Höhepunkt CINEMA PARADISO, wovon viele Brühler*innen bis heute begeistert erzählen. Auch hierfür hatte Thomas Kaintoch ein sehr aufwendiges Kinoplakat erstellt, das später noch viele Jahre den Saal der VHS schmückte.

Im Jahre 1991 stieg die Anzahl auf sechs Nächte im Innenhof, verteilt auf mehrere Wochenenden. Den Auftakt bildete die ausverkaufte Vorstellung des damals neuen Dokumentarfilms von Peter Schamoni MAX ERNST: MEIN VAGABUNDIEREN – MEINE UNRUHE. Die Ausstattung des Open Air wurde weiter ausgebaut, so wurden in dem Jahr schwarze Stoffbahnen rund um die Leinwand angebracht, um die Qualität des Bildes zu verbessern.
So ging es dann die nächsten Jahre weiter, mal gab es sechs Open Air Nächte, mal zehn verteilt auf mehrere Wochenenden und immer wurde auch an technischen Verbesserungen gearbeitet. Der Ton im Rathaus-Innenhof war von Beginn an ein Problem. Hier hatte man viele Jahre Unterstützung durch Klaus Fuchsberger, der auch die städtischen Veranstaltungen betreute.
Ab 1994 wurden eigene Plakate entworfen, mit denen man für das ZOOM Open Air warb. 1996 zum 10-jährigen Jubiläum gab es dann 10 Abende hintereinander. Und siehe da, selbst an einem Montagabend war die Vorstellung ausverkauft, obwohl man im Vorfeld befürchtet hatte, dass es bei dem späten Anfang schwierig würde. Letztendlich kommt es immer auf den Film an. In dem Fall war es der Film DIE FRAU DES LEUCHTTURMWÄRTERS, der in dem Jahr sehr angesagt war.
Nackte Tatsachen
Ein nächster großer Höhepunkt war der legendäre Abend mit dem Film GANZ ODER GAR NICHT im Jahr 1998. Passend zur Thematik des Films – arbeitslose Engländer versuchen sich als Stripper – hatte ZOOM unter seinen Mitgliedern vier Mutige gefunden, die sich trauten, es ihnen gleich zu tun. Wie im Film trainierten die Vier wochenlang in einer alten Halle. Das blieb nicht ganz verborgen und so berichtete der Express auf einer ganzen Seite in der Woche vor der Aufführung.

Dies löste eine riesige Nachfrage aus und man hatte entschieden, alle Stühle abzubauen und durch Bierbänke zu ersetzen, um möglichst Vielen die Chance zu geben, dabei zu sein. Dies führte zum bis heute ungeschlagenen Rekord von 660 Besucher*innen im Innenhof. Obwohl das Wetter im Vorfeld nicht wirklich mitspielte, wurde es ein fulminanter und umjubelter Auftritt der Vier des ZOOM Stripperteams, (Name + Autogrammkarte vorhanden) die alles gaben bzw. ablegten. Auch hiervon sprechen heute noch viele Brühler*innen.
Danach war es aber aufgrund neuer Vorschriften nicht mehr möglich, so viele Menschen in den Rathaus-Innenhof zu lassen. Im Laufe der Jahre, die der großen Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen 1996 folgten, wurden viele Vorschriften verschärft. So bekam der Innenhof auch einen Bestuhlungsplan, der von der Bauaufsicht genehmigt und bis heute eingehalten werden muss. Seitdem gibt es 440 bestuhlte Plätze im Innenhof.
Anschaffung einer neuen Leinwand
Ab 1999 gab es deutliche Verbesserungen bei der Leinwand. Die alte große Leinwand hatte nicht das richtige Seitenverhältnis für Filme im Cinemascope Format. Der bisherige selbstgebastelte Behelf, das Bild an der Scheibe vor dem Projektor abzukleben, damit es nicht rechts und links überstand, war natürlich wenig professionell, ein Eingriff in die Filmkunst und dem Open Air Team stets ein Dorn im Auge. Es wurde eine neue Leinwand angeschafft mit den stolzen Maßen 14,5 x 6 m, die aber nun nicht mehr mit Muskelkraft und Hebelwirkung freistehend aufgebaut werden konnte.
Also wurde ab 1999 von der Brühler Firma Heller Gerüstbau GmbH ein fest an die Wand montiertes Gerüst aufgebaut. Mit eigenen Stangen befestigt das Open Air Team seitdem einen Rahmen an diesem Gerüst, in den die Leinwand gespannt wird. Das Baugerüst hinter der Leinwand bot ab dann auch die Möglichkeit, die Lautsprecherboxen hinter die Leinwand und weiter oben zu platzieren, anstatt wie bisher links und rechts daneben. Das verbesserte die Akustik im Innenhof sehr.
Von 1997 bis 2009 bestand das ZOOM Open Air immer aus 12 Vorstellungen auf vier Wochenenden im August verteilt. Aufgrund des immensen Zeit- und Arbeitsaufwands bei der Organisation und Durchführung entschied man sich 2010, die Anzahl auf neun Vorstellungen an drei Wochenenden zu reduzieren. Trotzdem konnte man überraschenderweise die Gesamtzahl der Open Air Besucher*innen von +/- 3.000 halten.
Bis Anfang der 2000er Jahre wurde teilweise an jedem Open Air Abend Live Musik angeboten. Der Aufwand dafür war jedes Mal sehr groß, vor allem auch wegen der nötigen Absicherung bei schlechtem Wetter. Es wurde dann auch immer deutlicher, dass sich nicht alle Filmfans auch für die Live Musik begeisterten oder sich lieber vor dem Film in Ruhe unterhalten wollten, was bei der Lautstärke im Innenhof schwierig sein konnte. Das führte dann dazu, dass man sich während des musikalischen Parts lieber vor dem Rathaus aufhielt. Ab 2002/2003 wurde deshalb entschieden, nur noch hin und wieder und wenn es wirklich passt, ein musikalisches Vorprogramm anzubieten. Auch das hat sich als vernünftiger Beschluss herausgestellt. Jetzt fühlten sich alle auch vor dem Film im Innenhof wohl und viele Brühler*innen freuen sich besonders darauf, jedes Jahr wieder alte Bekannte beim ZOOM Open Air zu treffen und Zeit für einen „Klaaf“ zu haben.

30 Jahre nach dem ersten Open Air in Brühl gab es ab 2016 eine grundlegende organisatorische Änderung. Für das älter werdende Open Air Kernteam war es immer schwieriger geworden, neun Abende lang über so viele Stunden zu arbeiten und bereitzustehen, deshalb war man auf mehr freiwillige Helfer*innen angewiesen, was aber wiederum den Aufwand bei der Organisation des Einsatzplans stark verkomplizierte.
Vorführteam übernimmt
Damit das ZOOM Open Air weiterleben konnte, wurde entschieden, die abendliche Hauptarbeit in die Verantwortung der versierten Vorführer*innen aus dem ZOOM Kino zu übergeben. Das stieß auf große Begeisterung im Vorführteam, da man sonst üblicherweise bei ZOOM im Juli/August „arbeitslos“ war. Außerdem ist man im Kino als Vorführer*in stets allein tätig und während des Open Airs freuen sich alle, mit den Kolleg*innen im Team zusammenarbeiten zu können.
Viele der ehemaligen Vorführer*innen kommen Jahr für Jahr zurück, um während des Open Airs auszuhelfen, alte Kolleg*innen und bekannte Gesichter unter den Besucher*innen wiederzusehen. Seitdem wird das Open Air mithilfe einer Mischung aus freiwilligen und bezahlten Kräften erfolgreich durchgeführt, während die vorbereitende Organisation und Planung des Programms weiterhin in den Händen eines zurzeit sechsköpfigen Kernteams liegen. Für den jeweils halbtägigen Auf- und Abbau des Open Airs kommen jedes Jahr ca. 20 Helfer*innen zusammen. Da sitzt inzwischen jeder Griff.
Einen wichtigen Anteil am reibungslosen Ablauf hat seit jeher auch die tolle Unterstützung der Brühler GRÜNEN, die uns Jahr für Jahr während der Open Air Wochen ihr Fraktionsbüro zur Verfügung stellen und das von Beginn an – bis auf die Jahre, in denen die Partei auf das Büro verzichtet hatte. Die GRÜNEN räumen während der Sommerpause pünktlich zum Beginn des Open Air Aufbaus ihr Fraktionsbüro und ZOOM zieht ein. Dafür sind wir sehr dankbar. Die Lage direkt am Flur hinter dem Projektor und dem Eingang zum Thekenbereich ist ideal und erleichtert die Arbeit, das Räumen und die Aufbewahrung aller Utensilien an den vorstellungsfreien Tagen seht. Man kann sich vorstellen, wie es in dem Zimmer am letzten Open Air Wochenende aussieht. Aber wenn wir am Ende wieder ausziehen, ist selbstverständlich alles wieder tipptopp….schließlich möchten wir im nächsten Jahr gerne wieder kommen.
Der finanzielle Aspekt steht seit längerem nicht mehr im Vordergrund des ZOOM Open Air, sonst hätte man die Preise inzwischen deutlich erhöhen müssen. In den ersten Jahrzehnten stellten die Open Air Veranstaltungen immer eine wichtige Einnahmequelle für den Verein dar, mit dem man auch das Kino unterstützen konnte. Es gab einen extra Zuschuss der Stadt Brühl, die auch für Kosten wie z.B. für den Transport der Stühle aufkam. Das änderte sich aber im Laufe der Jahre. Die Stadt Brühl strich den Zuschuss und stellte den Transport der Stühle, die Anlieferung der Mülltonnen etc. in Rechnung. Dann kamen die Kosten für den Gerüstaufbau hinzu, die Kosten für den Aufbau und die Einrichtung des (inzwischen) digitalen Open Air Projektors durch eine Fachfirma sowie Personalkosten ab 2016.
Unter dem Strich führte das dazu, dass mit dem Open Air kaum noch Gewinn gemacht wird. Dass ZOOM die Veranstaltungen im Sommer in der Form und zu den Preisen trotzdem anbieten kann, verdankt der Verein seinen Mitgliedern. Am ersten Open Air Abend vor 40 Jahren waren es ca. 30 Mitglieder, heute sind es fast 2.300. Das zeigt, wie sehr der Verein von den Brühler*innen als „ihr“ Verein wahrgenommen wird, und macht all das – und auch das besondere Kinoprogramm – möglich. Das ZOOM Team ist sehr zufrieden und auch etwas stolz.
Zum 40-jährigen Jubiläum wird es wie früher 12 Open Air Abende an vier Wochenenden geben. Feiern Sie mit, wir freuen uns auf Sie!
Ihr ZOOM Team
1989 Der Kinomaler: Der falsche Laschet

Von Anfang an ließen wir uns gute Werbemaßnahmen einfallen. Eine besondere hatten wir Anfang 1989, nachdem feststand, dass der Klassiker CASABLANCA gezeigt werden sollte. Wir fragten Deutschlands berühmten und letzten Kinomaler, Willy Laschet (1920-2010), ob er uns nicht ein Plakat malen könnte. Er lebte damals in Hürth und teilte uns mit, dass er nach Quadratmeter bezahlt wird. Da wir etwas richtig Großes im Sinn hatten, reichte unser Budget damals nicht aus. Aber Willy Laschet ließ mit sich reden und war damit einverstanden, dass unser Mitglied Thomas Kaintoch, selbst Künstler, das Bild größtenteils malen sollte. Er würde dann kommen und sich das Bild anschauen, um zu entscheiden, ob er sich mit der Qualität identifizieren könne. Als er dann kam, war er begeistert von Thomas Kaintochs Arbeit und erklärte sich bereit, dem Plakat den letzten Feinschliff publikumswirksam an einem Samstag in der Fußgängerzone zu geben. Dann allerdings bezahlt nach Stunden. Es gab große Artikel über die tolle Arbeit des Plakatmalers Laschet in der Zeitung, der Aufwand hatte sich gelohnt und wir hatten dazu gelernt. Im Jahr darauf hat Thomas Kaintoch uns gleich das ganze Bild selbst gemalt.
Open Air bei jedem Wetter
Während der ersten Jahre ZOOM Open Air im Rathaus Innenhof gab es immer noch drei große Schirme, die bei schlechtem Wetter Platz für vielleicht maximal je 50 Personen boten. Natürlich war beim Einlass der Run auf die wenigen regengeschützten Plätze immer sehr groß. Zusätzliche Schirme aufzustellen, wie viele forderten, war nicht möglich, ohne anderen die Sicht auf die Leinwand zu nehmen. Bei unsicherem Wetter gab es im Team unendliche Diskussionen, ob die Schirme aufgespannt werden sollten oder nicht. Dem Publikum konnte man es auch nicht recht machen, irgendjemand schimpfte immer, entweder weil er/sie nass geworden war, oder weil er/sie nichts sehen konnte. Bald erreichte man – auch aufgrund der gestiegenen Zuschauerzahlen – den Punkt, an dem man sich entscheiden musste: Entweder es werden alle nass, oder man überdacht den Rathaus Innenhof. Da auch kein kurzfristiges Ausweichen in einen Saal möglich war, entschied man sich spontan, aus der Not eine Tugend zu machen und bewarb ab sofort das „Open Air bei jedem Wetter!“ – bis heute fast immer noch ein Alleinstellungsmerkmal. Aber die Brühler*innen akzeptierten die Umstellung, verinnerlichten unser Motto und kamen bei jedem Wetter. Wir hatten ausverkaufte Vorstellungen, obwohl es vorher den ganzen Tag geregnet hatte und erst abends klarer wurde. Wir hatten wunderbare Vorstellungen bei Dauerregen mit 250 Besucher*innen, natürlich alle bestens ausgerüstet. Wenn wir das unseren Kinokolleg*innen erzählen, glaubt uns das kaum jemand.
Vom Innenhof zum Mond

In den ersten 20 Jahren war es üblich, dass fast jeden Abend eine Liveband spielte, um die Zeit zwischen Einlass und Filmbeginn zu überbrücken. Dabei gab es nichts, was es nicht gab: Vom Sologitarristen über Chöre, Rockbands, Blaskapellen bis zu einem kompletten Streichorchester. Und es waren die tollsten Leute darunter. So hatten wir 2003 Nick van Hofwegen mit seiner Band INCURE aus den Niederlanden zu Gast, eine ganz junge Band, die gerade in Brühl im Studio bei Andi Reisner ihre erste Single aufgenommen hatte.
Nick, der nun schon länger in New York lebt und dort u.a. unter dem Namen YOUNG & SICK arbeitet, hat erst vor wenigen Wochen für weltweite Furore gesorgt, als seine Interpretation des Lieds SLEEPYHEAD von der Crew der Artemis Mission ausgewählt wurde, sie am ersten Tag ihrer Reise zum Mond zu wecken. Was für eine Karriere, von Brühl bis zum Mond und weltweit übertragen.
Kinotechnik 16 - 35 mm

In den Jahren vor 1996, als ZOOM noch nicht über ein eigenes Kino verfügte, war es ein großer Vorteil, beim Open Air auf einen 35-mm-Projektor zurückgreifen und damit alle Filme zeigen zu können, die Kinoverleiher im Programm hatten. Das Angebot an 16-mm-Filmen, die wir auf dem entsprechenden Projektor in der VHS zeigen konnten, war hingegen sehr eingeschränkt und zeitlich sehr versetzt zum eigentlichen Kinostart.
Foto: Ralf Demuth und Dieter Hinz, unsere ersten Kinotechniker, ohne die es kein Open Air und auch kein Kino gegeben hätte.
ZOOM vor 100.000 Besucher*innen
Da es selbst Ende der 80er Jahre noch nicht sehr viele Open Air Kinos mit eigener Technik in Deutschland gab, hatten wir immer wieder Anfragen von anderen Veranstaltern. So auch im Sommer 1991, als die Veranstalter der Bonner Rheinkultur anfragten, ob wir nicht einen Film zeigen wollten beim größten Freiluft Musikfestival Deutschlands mit über 100.000 Besucher*innen. Da fühlten wir uns natürlich geehrt und sagten gleich zu. Idee des Veranstalters war, dass man durch eine Filmvorführung auf der Hauptbühne nach dem Ende des Konzerts die Besucherströme Richtung überfüllter Straßenbahnhaltestelle etwas verzögern könnte, um die Situation zu entzerren.
Der passende Film war mit Aki Kaurismäkis aktuellem Werk LENINGRAD COWBOYS GO AMERICA schnell gefunden und beim Verleih wie immer einfach mit der Angabe „Open Air Kino“ bestellt. Die Leinwand hängten wir schon einen Tag vorher in die Bühnenkonstruktion, so dass sie nur herabgelassen werden musste, und der Projektor kam in den Technikturm vor der Bühne. Am Ende hatten dann aber wohl doch nur noch ein paar 100 Musikfans Lust auf einen Film und es gab auch noch Tonprobleme.
Aber am darauffolgenden Montag um 8.00 Uhr erhielten wir ein Fax einer Rechtsanwaltskanzlei des Verleihs, der uns eine Aufstellung machte und darlegte, dass aufgrund unserer Vorstellung mit 100.000 Besucher*innen der Film für Köln/Bonn nun nicht mehr einsetzbar sei. Man unterstellte uns, wir hätten uns „clever die Taschen vollgemacht“, dabei hatten wir unseren Einsatz fast zum Selbstkostenpreis kalkuliert nach dem Motto „Dabei sein ist alles“. Man machte dann eine Rechnung auf und stellte uns versäumte Einnahmen in fünfstelliger Höhe in Rechnung, eine Summe, die den Verein in den Bankrott getrieben hätte. Unser Glück war ein Tipp über einen Mannheimer Anwalt, der nebenher auch einen Programmkinoverein und einen guten Draht zu dem Verleiher hatte, so dass wir mit nur wenigen Tausend DM davonkamen. Daraus haben wir für die Zukunft gelernt und konzentrieren uns seitdem auf Brühl.
Bestuhlungsplan

Anfang der 2000er Jahre musste die Stadt einen Bestuhlungsplan für die Veranstaltungen im Rathaus-Innenhof erstellen und genehmigen lassen, einen Plan, der genau festlegt, wo die Stühle im Innenhof zu stehen haben und wo die Wege dazwischen einzuhalten sind.
Als wir den Plan einige Tage vor Beginn des Open Airs überreicht bekamen, waren wir etwas erstaunt, denn unsere zwei, bis dahin immer eingerichteten Zwischengänge waren verschwunden. Stattdessen waren auf dem Plan nur durchgehende lange Reihen quer durch den Innenhof abgebildet. Wir dachten natürlich, das könnte nicht stimmen, denn aus diesen langen Reihen würde es niemand so schnell raus schaffen, weder im Notfall noch bei Durst auf ein Bier von der Theke. Deshalb bauten wir einfach zunächst alles so auf wie immer. Aber das Geschrei am nächsten Tag war groß, so ginge es nicht, wir hätten uns an den Plan zu halten. Unser Argument, dass unsere Aufteilung der Plätze und Gänge viel sicherer sei, ließ man nicht gelten.
Wir hätten uns an den amtlichen, vom Kreis abgestempelten Plan zu halten, ansonsten würden alle Genehmigungen für die Veranstaltung entzogen. Uns blieb nichts anderes übrig, als alles wieder entsprechend des Bestuhlungsplans umzubauen. Natürlich gefielen auch unseren Besucher*innen die langen durchgehenden Reihen nicht und wir mussten uns einiges anhören. Schließlich erklärten wir jeden Abend die Situation und entschuldigten uns für die Unannehmlichkeiten. Im Jahr darauf hatte wohl selbst der Kreis ein Einsehen, es wurde ein neuer, sicherer und alltagstauglicherer Bestuhlungsplan erstellt, der bis heute gilt und 440 Stühle vorsieht.